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Die Tätowierung im analytischen Prozess fasst unbewusst die aktuelle Situation in der Übertragung auf dem Hintergrund der zentralen inneren Konflikte bildlich zusammen. Wie eine Momentaufnahme verdichtet das Tattoo dialektisch Mutter- und Vaterbeziehung, Wünsche nach Nähe und Abstand, Gleichheit und Unterschiedlichkeit, Identifizierung und Individuation als »Dialektik im Stillstand«, wie es Walter Benjamin über das Bild im Allgemeinen in seinem berühmten Zitat aus dem Passagen-Werk nennt. Wichtig erscheint bei der Tätowierung das Bedürfnis nach Statik und Unveränderbarkeit, als solle das Anhalten einen Halt bewirken. Dieser innere Halt wird zuvor durch einen unbewusst befürchteten Tabubruch bedroht, wobei Ängste vor Verlassenheit und Verschmelzung unerträglich werden.
Das Tattoo symbolisiert den Tabubruch einerseits bildlich, andererseits agiert es ihn durch die selbstverletzende Handlung, vergleichbar einer magisch-rituellen Handlung in Naturvölkern. Dadurch ersetzt es ihn sozusagen und soll ihn in der Realität abwenden. So bekommt das Tattoo eine magische Bedeutung oder Totemfunktion.
Die Tätowierung stellt den nur bedingt gelingenden Versuch dar, ein Übergangsobjekt zu erschaffen, indem sie die konkrete Manipulation der Haut mit der symbolisierenden Erschaffung eines Bildes verbindet. Wie mit einem Flicken wird so versucht, Löcher im Übergangsraum zu verstopfen und ihn wieder herzustellen.