You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Viele Konzepte der klassischen psychoanalytischen Theorie basieren auf seelischen Vorgängen, von denen angenommen wird, dass sie ihren Ursprung in der Kindheit haben und die Psyche des Erwachsenen beeinflussen. Trotzdem wurde die psychoanalytische Praxis der Mutter-Kind-Behandlung kaum in die allgemeine psychoanalytische Theorie einbezogen. Ein Grund hierfür ist, dass nur wenige Analytiker auf diese Praxis bei der Weiterentwicklung ihrer Theorien zurückgreifen. Zugleich neigen Kindertherapeuten dazu, die klassischen psychoanalytischen Konzepte zugunsten von Bindungskonzepten zu vernachlässigen. So wird das in der klassischen Theorie zentrale Konzept der infantilen Sexualität in der klinischen Diskussion über Kindertherapien allzu leicht übersehen.
Nach Ansicht des Autors spielt die infantile Sexualität eine wichtige Rolle bei vielen Störungen der Mutter-Kind-Beziehung. Um sich als nützliches klinisches Konzept zu etablieren, soll das Konzept der infantilen Sexualität von der Bindungstheorie abgegrenzt und im Rahmen der Mutter-Kind-Beziehung verstanden werden. In einem ersten klinischen Beispiel zeigt sich die kindliche Sexualität anhand einer spontanen Äußerung des Analytikers im Umgang mit einem Baby. Eine zweite Fallvignette handelt von dem Stillproblem eines kleinen Jungen, der an der Brust unruhig ist. Das Stillproblem wird auf dem Hintergrund der infantilen sexuellen Konflikte der Mutter sowie der beginnenden Internalisierung dieser Konflikte durch den Jungen gesehen. Um derartige Störungen zu verstehen, müssen wir die infantile Sexualität von Mutter und Kind berücksichtigen.