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»Schmerz ist überall Schmerz - Geschichten von Liebe, Angst und Begehren.«
Band 9 der Internationalen Psychoanalyse kann als Brückenschlag zwischen der Psychoanalyse des 20. und 21. Jahrhunderts verstanden werden. Die in diesem Jahr ausgewählten Beiträge aus dem International Journal of Psychoanalysis erhellen eine Vielzahl von Ideen und Konzepten, die wir einigen großen Psychoanalytikern und Psychoanalytikerinnen des 20. Jahrhunderts zu verdanken haben, machen sie sich in der Behandlung moderner Pathologien zunutze, differenzieren und erweitern sie und verweisen schließlich implizit und explizit auf offene Fragen, deren Erforschung unsere künftige Aufgabe sein wird. Brennpunkt der Beiträge des diesjährigen Themenschwerpunkts Moderne Pathologien ist - im Zeitalter virtueller Realität, in dem körperliche Anwesenheit und Begegnung zunehmend unnötig zu werden scheint - der schicksalhafte und manipulierbare Körper und das drängende Bedürfnis, erkannt zu werden.
Eröffnet wird der diesjährige Band von Igor Kadyrov mit seinem Brief aus Moskau. Hierin gibt der Autor einen Überblick über die mehr als 100-jährige Geschichte der psychoanalytischen Bewegung in Russland, die von zwei Tendenzen getragen wird: der großen Affinität der Russen zur Psychoanalyse und den enormen Schwierigkeiten, die es immer wieder gab, eine fundierte psychoanalytische Ausbildung in Russland zu etablieren. Ersteres wurde zuerst von Freud und später u.a. von Etkind (S. 23) darauf zurückgeführt, dass die Russen »näher am Unbewussten als die Menschen im Westen« seien. Kadyrov fügt dieser Begründung russischer Begeisterung für die Psychoanalyse eine meines Erachtens gewichtige zweite hinzu, dass nämlich die Psychoanalyse »vor dem Hintergrund der autokratischen und totalitären politischen Geschichte Russlands […] mit ihrem Interesse am Unbewussten und der freien Assoziation möglicherweise auch als Trägerin liberaler Hoffnungen und Sehnsüchte« (S. 23) gesehen werde. »Orthodoxie, Autokratie u