You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieser Aufsatz beschreibt die zweimal wöchentlich stattfindende analytische Psychotherapie einer jungen Frau, die mit Anfang 20 ohne eine klare medizinische Indikation in einegrößere Darmoperation eingewilligt hatte. Während Williams (1997a [2003], 1997b) mit ihrem »Kein Zutritt«-Konzept viele Merkmale von eher »typischen« Anorexie-Patientinnen sehr treffend beschreibt, bezieht sich dieser Aufsatz auf eine spezielle Gruppe anorektischer Patientinnen, denen von ihren Ärzten2 eine Vielzahl medizinischer Eingriffe verordnet werden. Ferner wird angenommen, dass es eine Gruppe anorektischer Patientinnen gibt, die wiederholt zwecks medizinischer Untersuchungen überwiesen werden und bei denen spezielle Arten von »Zutritten« erfolgen. Diese Formen des Eindringens in den Körper werden als medizinisch notwendig »legitimiert« und bahnen den Weg zu vielerlei Behandlungsverfahren, Untersuchungen und chirurgischen Operationen. Andere Formen des Eindringens (außerhalb des medizinischen Settings) können in einem durch den Einfluss von Alkohol oder Drogen veränderten Bewusstseinszustand geschehen, wobei jeder Wunsch danach abgewiesen und verleugnet wird. In beiden Fällen gibt es einerseits die Einladung zur Intrusion, die aber andererseits bewusst verleugnet wird.
Das Fallbeispiel erhellt einige dieser Merkmale, und einige Aspekte der Gegenübertragung werden ebenfalls beschrieben. Einschlägige Forschungsergebnisse über chirurgische Eingriffe
»No entry«, an invitation to intrude, or both? Reflections on a group of anorexic patients. The International Journal of Psychoanalysis 2013 (94), 689-713.
Anm.d.Ü.: Ich habe mich dazu entschlossen, im vorliegenden Aufsatz bei »Patientin« o.ä. die weibliche Form, bei »Arzt« o.ä. die männliche zu verwenden. Damit soll keine Festschreibung der Geschlechterrollen erfolgen, sondern vielmehr der Schwerpunktsetzung gefolgt werden, dass Julian Stern seine Überlegungen vornehmlich auf Intrusionen zwischen Patientin und Arzt bezieht (vgl. Fn. 7). Eine Ausnahme davon sind diejenigen Fälle, in denen der Autor sich nicht auf die Konzeptualisierung eines spezifischen Verhältnisses zwischen Behandler und Patientin bezieht, sondern beispielsweise das allgemeine Behandlungsangebot eines Krankenhauses beschreibt (dort ist die Rede von PatientInnen, was sich auf beide Geschlechter beziehen soll).
werden einbezogen. Schließlich wird untersucht, wie solche Patientinnen zu chirurgisch und medizinisch intrusiven Eingriffen einladen.