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Die Autoren diskutieren aus klinischer Sicht die psychischen Funktionen des Tschadors, eines schleierähnlichen Gewandes, das manche iranische Frauen in der Öffentlichkeit tragen. Ausgehend von Anzieus theoretischem Konzept des Haut-Ichs vertreten die Autoren die Auffassung, dass der Tschador nicht lediglich den Körper bedeckt; er kann die Psyche umhüllen und dem Ich als zweite Haut dienen. Die mütterliche Funktion einer haltenden Umwelt wird symbolisch auf ein Gewand verschoben, das den Körper »verbirgt«, »bedeckt«, »verhüllt« oder »bekleidet«. Die containende Funktion der Haut wird sensorisch und im übertragenen Sinn auf die Kleidung erweitert, die auf diese Weise zu einer imaginären Gebärmutter wird. Die hier dargestellten klinischen Fallbeispiele legen die Vermutung nahe, dass der Tschador für manche iranische Frauen einerseits als zweites Haut-Ich und Schutzschild vor einer als intrusiv erlebten Welt dient, andererseits aber auch die Funktion eines strafenden mütterlichen Über-Ichs erfüllen kann, einer »Gefängniszelle«, die den Separations-/Individuationsprozess lähmt. Im Dienste des Widerstands und der Abwehr der Patientin kann der Tschador auch zu einem psychischen Refugium werden und eine Möglichkeit darstellen, sich auf der Couch zu verstecken.