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Lars von Trier hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass seine Filme provozieren sollen, was ihm so gut gelungen ist, dass er zum enfant terrible des zeitgenössischen Kinos wurde. In der Tat haben seine Filme bei den meisten Zuschauern starke ambivalente Gefühle hervorgerufen, nicht zuletzt der im Jahr seines Erscheinens am meisten besprochene und diskutierte Film Antichrist. Kritiker und Kommentatoren fragten sich, wie sie die Zielsetzung, Ethik und ästhetische Qualität dieses Films bewerten sollten; einer nannte ihn »ein als Schrott verkleidetes Meisterwerk« (Skotte, 2009).
Meisterwerk oder Schrott? Angesichts so extrem gegensätzlicher Bezeichnungen sollten wir uns fragen, warum von Triers Filme häufig derart widersprüchliche Reaktionen auslösen. Genauer gesagt lautet die Frage, was eigentlich diese so unterschiedlichen Rezeptionen und Bewertungen hervorruft.
Der Titel dieses Aufsatzes geht auf von Trier (Drouzy, 1991) zurück, dessen Filme uns das unangenehme Gefühl geben können, dauernd einen Kiesel im Schuh zu haben. Beim Betrachten seiner Filme fragen wir uns, ob sie uns gefallen oder nicht oder ob uns einige gefallen, wir uns aber zugleich verwirrt, verblüfft oder gar vor den Kopf gestoßen fühlen. Das Bild einer durch einen Kiesel hervorgerufenen Irritation beschreibt allerdings nur unzulänglich, wie unmittelbar die Reaktion des Publikums auf die Grausamkeit, körperliche Verstümmelung und Depression ist, die von Triers Filme kennzeichnen.
Als ein zentrales Thema in von Triers Filmen gilt das Trauma, das sowohl auf erzählerischer als auch auf der Ebene von Form und Wirkung dargestellt wird (Bainbridge, 2004a, b, 2007; Badley, 2010), worauf verschiedene Kommentatoren und Kritiker hingewiesen