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Als ich Nina zum ersten Mal begrüßte, erhob sie sich aus ihrem Stuhl im Wartezimmer und schien mich dabei weit zu überragen. Obgleich sie lächelte, war sie offensichtlich ebenso überrascht über meine kleine Statur wie ich über ihre Körpergröße. Während sie sehr aufrecht an mir vorbei ins Behandlungszimmer lief, kam es mir angesichts ihrer gebieterischen Haltung und ihres forschen Schrittes so vor, als ob der Raum ihr gehöre. Sie ließ sich auf einem meiner Stühle nieder und rief aus: »Er ist so klein. Wie für einen Liliputaner!« Ich lachte und erwiderte, dass wir vielleicht schon dabei seien zu schauen, ob wir zueinander passen. Nina hatte mir am Telefon mitgeteilt, dass sie sich nicht sicher sei, ob sie und ihr Freund zueinander passten, ein Mann, der sich ihr sexuell entziehe, ebenso wie es zuvor ihr Ex-Mann getan hatte, was sie dazu veranlasst hatte, sich von ihm zu trennen. Sie entschied sich für eine Psychoanalyse und hatte bereits Gespräche mit mehreren Analytikern geführt, war aber mit keinem zufrieden gewesen, da alle immer nur »die gleichen alten Fragen stellten«.
Während Nina es sich in ihrem Stuhl bequem machte, schaute sie mich herausfordernd an. Einleitend erklärte sie, sie wolle mir lieber einen Traum, den sie an diesem Morgen geträumt habe, vorspielen, anstatt immer wieder die gleichen alten Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. »Vorspielen?«, wunderte ich mich laut. Sie hielt ihr iPhone hoch, während sie mir erläuterte, dass sie ihre Träume regelmäßig darauf aufnehme. Wie ihr »Liliputaner«-Kommentar fühlte sich dies gleichzeitig einladend und provozierend an, aber ich war gewillt, sie »spielen« zu lassen und teilte ihr dies auch mit, schlug ihr aber auch vor, etwas von sich zu erzählen, um einen Zusammenhang herstellen zu können. Sie zögerte zunächst, erzählte mir dann trotz ihrer sichtlichen Enttäuschung etwas über ihren Hintergrund.