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Die Psychoanalyse hat in Argentinien eine lange und bewegte Geschichte sowohl im Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie als auch im kulturellen Leben. Psychoanalytische Ideen und psychoanalytisches Vokabular durchdringen unser Alltagsleben. Man kann das in normalen Unterhaltungen hören; Leute sagen, dass dieser oder jener ein Hysteriker sei, man wird der Projektion beschuldigt oder es wird erzählt, dass ein Kollege bzw. eine Kollegin eine reprimida (eine Verdrängerin) oder ein acomplejado (voller Komplexe) sei. Psychoanalytiker schreiben Zeitungskommentare und werden in Funk und Fernsehen befragt. Gleichzeitig sind sie Autoren für Theater, Belletristik und Poesie oder bildende Künstler. Einige von ihnen wurden unter der letzten argentinischen Diktatur verfolgt und gezwungen das Land zu verlassen.
Die Verbindung der psychoanalytischen Praxis mit dem öffentlichen Leben besteht in Argentinien seit Anbeginn. Zwei der Gründer der Argentinischen Psychoanalytischen Vereinigung (APA), Marie Langer und Ángel Garma, kamen auf der Flucht vor politischer Verfolgung wegen ihres politischen Engagements in Spanien nach Argentinien. Enrique Pichon-Rivière, ein weiterer Wegbereiter der argentinischen Psychoanalyse, war von der engen Wechselbeziehung zwischen Subjektivität und Gesellschaft so weit überzeugt, dass er schließlich die Argentinische Schule der Sozialpsychologie begründete. Darüber hinaus waren argentinische Psychoanalytiker stets daran interessiert, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in der gemeinnützigen Arbeit einzubringen, wie ich später ausführen werde.
Obwohl die Geschichte der Psychoanalyse in Argentinien breit gefächert und interessant ist, werde ich hier nicht verweilen.2 Vielmehr werde ich mich auf die theoretischen Entwicklungen der wichtigsten argentinischen Denker konzentrieren. Danach umreiße ich die Herausforderungen, mit denen unsere Disziplin konfrontiert ist, beleuchte, wie