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Nach Freud lässt sich wohl nur schwer ein Theoretiker2 benennen, der das Denken einer ganzen psychoanalytischen Gemeinschaft so entscheidend geformt hat wie Pichon-Rivière in Lateinamerika und ganz besonders in der La-Plata-Region. Man könnte sich erinnert fühlen an den Einfluss von Melanie Klein in London, von Lacan in Frankreich oder von Hartmann in Nordamerika. Deren Konzepte waren aber in ihren jeweiligen Regionen umstritten, was für Pichon-Rivière nicht galt, jedenfalls nicht, bis Lacan in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts an Einfluss gewann. Folglich ist es unmöglich, die Arbeiten von südamerikanischen Analytikern zu verstehen, ohne die Ansichten von Pichon-Rivière zu berücksichtigen, was sowohl für seine Zeitgenossen gilt, für die erste Generation seiner Schüler, wie zum Beispiel Willy und Madeleine Baranger und José Bleger, und auch für heutige Autoren.
Pichon-Rivière beeinflusste Theoretiker, die auch außerhalb von Lateinamerika (bis vor Kurzem jedenfalls besonders in Europa) bahnbrechende Arbeit leisteten; er muss daher zu den wichtigsten Autoren für die Entwicklung der klinischen wie auch der theoretischen Psychoanalyse gerechnet werden. Und dennoch ist er heute relativ unbekannt, besonders in den anglophonen Ländern, und sogar in Lateinamerika können wir seinen Einfluss nicht so direkt nachverfolgen, wie dies bei Beiträgen von führenden Denkern in anderen psychoanalytischen Kulturen möglich ist.
Ähnlich wie Harry Stack Sullivan, dessen Ideen man - oft ohne einen Hinweis auf ihre Herkunft - in den Arbeiten von Theoretikern ganz verschiedener Schulrichtungen finden kann, so verschwindet auch Pichon-Rivière selbst dort, wo sein Einfluss entscheidend war. Ein Grund dafür ist - und das verbindet ihn mit Sullivan -, dass er relativ wenig