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Der apathische Psychoanalytiker und der postmoderne Patient ist ein in Frankreich viel diskutiertes Buch. Dies liegt an der gründlichen und präzisen Art, in der es geschrieben ist, seiner mutigen Polemik und der großen Belesenheit der Autorin. Der Titel ist ein Wortspiel: Was ist ein apathischer Psychoanalytiker? Es ist einer, der oder die sich dem wohlmeinenden Trend, empathisch zu sein, nicht ergeben hat. Und was ist Empathie? Nach Auffassung der Autorin ist es ein theoretisch-praktisches Missverständnis, wenn höchst unterschiedliche psychoanalytische Denkrichtungen miteinander in Verbindung gebracht werden, die in einer für alles offenen IPV Platz haben: Narrativismus, Intersubjektivismus und Konstruktivismus, um nur einige zu nennen. Laurence Kahn vergleicht nicht, bzw. vergleicht nicht einfach zwei Definitionen von Empathie, nämlich ihre eigene, die sie von Freud ableitet, und eine andere, die sie für falsch hält, sondern eher zwei erkenntnistheoretische Standpunkte, die am Ursprung dieses theoretisch-praktischen Missverständnisses liegen: Der erste versteht Empathie als Rätsel, als »analysierbares« Objekt, als eine Art Stolperstein; der andere versteht Empathie als etwas Offensichtliches, das sich zudem als etwas präsentiert, das an sich gut ist. Im ersten Standpunkt ist Freuds eigene Position zu erkennen, im zweiten zeigt sich eine moderne Sicht, die von Laurence Kahn angeprangert wird. Sie stellt nämlich die Angriffe infrage, die eine auf Freud zurückgehende Haltung als antiquiert darstellen. Der »empathische« Psychoanalytiker soll sich aus moralischen und erkenntnistheoretischen Gründen (welche nicht voneinander zu trennen sind) vom »Positivismus« und »Autoritarismus« des sogenannten »klassischen« Analytikers frei machen, der an der Realität der von ihm behandelten »Objekte« (Triebe, Verdrängung, das Ich, usw.) festhält und eine durch sie gerechtfertigte überhöhte Haltung als beobachtender Analytiker seinem Patienten gegenüber