You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Psychotherapie für Mutter und Säugling, ein relativ neues Feld der Psychoanalyse, wirft Fragen bezüglich der Konzeptualisierung des klinischen Prozesses auf. Frühere Publikationen haben die nonverbale Kommunikation des Therapeuten mit semiotischen Konzepten zu erklären versucht und die Gegenübertragung einschließlich ihrer Wahrnehmung durch den Säugling erforscht. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf ein weiteres Argument zugunsten verbaler, an das Baby adressierter therapeutischer Interventionen. Sie stellen ihm eine symbolische Ordnung zur Verfügung, die sich von derjenigen seiner Mutter unterscheidet. Diesen qualitativen Unterschied erklärt Doltos Konzept des »parler vrai«. Der therapeutische Hebel ist nicht der lexikalische Inhalt der analytischen Interventionen, sondern deren Botschaft, dass Worte benutzt werden können, um Konflikte aufzudecken. Dadurch wird es möglich, abgewehrte Bedürfnisse in solche zu transformieren, über die man mit seinen Objekten verhandeln kann. Erläutert werden die Gründe, weshalb solche Interventionen des Therapeuten die Aufmerksamkeit des Babys zu fesseln vermögen. Eine Voraussetzung dafür ist die vorhandene Fähigkeit seines Gehirns, Worte als einen spezifischen Kommunikationsmodus wahrzunehmen. Der Beitrag erörtert die einschlägige neuro-wissenschaftliche Forschung bezüglich dieser Frage. Ihm liegen Konzepte Doltos, Lacans und Winnicotts sowie neurowissenschaftliche und entwicklungspsychologische Forschungsergebnisse zugrunde. Auch Chomskys linguistische Konzepte kommen im Zusammenhang mit diesen Therapien zur Sprache.