You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die dem Transgender-Begriff innewohnende Qualität, sämtliche Gendervarianten und sexuellen Präferenzen abzudecken, hat ihn zu einem wirkungsvollen Instrument des Aktivismus und der persönlichen Identifizierung werden lassen. »Trans« verweist nicht länger auf Marginalität, sondern hat sich zu einem zentralen kulturellen Schauplatz entwickelt. In diesem Beitrag führe ich aus, dass diese Identitätsbezeichnung eine komplexe Bandbreite innerer Einstellungen gegenüber bewusst erklärten sexuellen Präferenzen und Genderidentifizierungen umfasst. Ich möchte - ausgehend von meiner Arbeit mit heranwachsenden Jugendlichen unter 18 Jahren, die unter einer Genderdysphorie litten und aus diesen Gründen eine medizinische Intervention zur Geschlechtsanpassung anstrebten - eine in manchen Fällen übereilt wirkende Aneignung des selbstwertstärkenden Potenzials der Transgender-Identifizierung untersuchen. Sie kann die schmerzhafte seelische Arbeit unterminieren, die erforderlich ist, um zu klären, was Transgender für den betreffenden jungen Menschen bedeutet. In einem kulturellen Umfeld, in dem die Frage »Warum Transgender?« (im Gegensatz zu »Wie Transgender?«) als pathologisierend erlebt wird, kann sich die Arbeit mit diesen jungen Menschen als herausfordernd für Analytiker*innen erweisen. Die Herausforderung besteht darin, sich auf einem schmalen Grat in der Dialogführung zu bewegen, in der im Hinblick auf Bedeutung und Funktion des a eine Haltung von äquidistanter Neugier eingenommen wird, die eine Kernfunktion der analytischen Herangehensweise darstellt, und zugleich implizit eine Position des Hinterfragens zu wahren.