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In den letzten 20 Jahren hat der religiöse und politische Fundamentalismus eine Reihe barbarischer Terroranschläge verursacht, die die öffentliche Meinung in der westlichen Welt gravierend beeinflusst haben. Kann die Psychoanalyse dazu beitragen, das unbewusste Funktionieren dieser fundamentalistischen Gruppierungen zu verstehen? Verschiedene Erscheinungsformen und Hypothesen bezüglich ihrer Ursprünge und Ziele werden diskutiert. Sollte Fundamentalismus vor allem als Mittel zur Identitätsfestigung verstanden werden, als Suche nach Macht oder als Rückzug in Gewissheit? Gibt es bei dem Versuch, diese Phänomene zu ergründen, Fallstricke, vor denen man sich als Psychoanalytiker*in hüten sollte? Der unsichere Boden der angewandten Psychoanalyse wird ebenso diskutiert wie einige spezifische Gefahren: Reduktionismus, theoretische Übersättigung, wilde, spekulative Deutungen und emotionale und ethnozentrische Fehleinschätzungen. Während es fachübergreifender Konsens ist, dass Mitgliedern fundamentalistischer Gruppen keine offensichtliche Psychopathologie oder typischen Persönlichkeitszüge attestiert werden können, mag die Psychoanalyse viel zu einem Verständnis der Art und Weise beitragen, wie sich ein Individuum eine gegebene Ideologie zu eigen macht und welche Rolle Gruppendynamiken dabei spielen. Einen etwas weniger unsicheren Boden bietet detailliertes klinisches Material, das illustriert, wie eine fundamentalistische Position für einen Heranwachsenden eine spezifische Abwehrfunktion bekommt und wie Fundamentalismus in den Alltagpsychoanalytischer Gesellschaften eindringt. Es wird gezeigt, dass Narzissmus und die strukturierende Rolle der Beziehungen zu anderen von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang sind.