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Ein prominenter in Deutschland geborener Wissenschaftler, der das Land mit zwölf Jahren in einem der letzten von der Gestapo überwachten Ausreisezüge in das besetzte Frankreich verlassen hatte und dann nach Spanien geflüchtet war, verbrachte ein Sabbatical an einer deutschen Universität. Bei einem informellen Treffen mit einer Deutschen, die ungefähr so alt war wie er, fragte diese ihn nach seiner Herkunft und machte eine Bemerkung über seinen Akzent. Er erzählte ihr, dass er die meiste Zeit seines Lebens in den Vereinigten Staaten verbracht hatte. »Oh, da müssen Sie Jude sein!« antwortete sie. »Sie hatten Glück raus zu kommen. Hier war alles furchtbar. Sie mussten die Bomben und den Krieg nicht miterleben.« Diese Vignette ist paradigmatisch für eine Art von verzerrtem Wissen, das ein empathisches Wissen um das Schicksal des unglücklichen jüdischen Flüchtlings verhindert, der, wenn er nicht um sein Leben gerannt wäre, die Bomben und den Krieg nicht erlebt hätte, weil er ermordet worden wäre. Dabei wird der Andere ausgeblendet, der Genozid ignoriert und gleichzeitig wird der Zugang zu Realität und Wahrheit hermetisch verriegelt. Auf eine unheimliche Weise hallt darin auch das Bemühen vieler Deutscher während des Krieges nach, die nicht-jüdischen Deutschen und insbesondere ihre eigenen Kinder als die eigentlichen Opfer der Gräueltaten anzusehen, die aus Rache vernichtet werden sollten (Kohut, 2012). Auch in Analysen stellt sich so etwas wieder ein, wenn das Wissen um die Geschichte der Orte versagt, an denen die Patienten2 sich aufgehalten haben, und dann die Täter mit den Opfern verwechselt werden, so als ob dieser Unterschied keine Rolle spielen würde.
Wenn eine Gräueltat begangen wird, legt das im Inneren des Täters einen