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Yaffe Eliach (1982, S. 4) erzählt eine Geschichte von KZ-Häftlingen, die gezwungen wurden, über eine riesige Grube zu springen oder erschossen zu werden. Unter ihnen waren der Rabbiner von Blazhov, Rabbi Israel Spira, und sein Freund, ein polnischer Freidenker. Nachdem sie beide erfolgreich über den Abgrund gesprungen waren, fragte der Pole: »Sagen Sie mir, Rebbe, wie haben Sie das gemacht?« Der Rabbi antwortete: »Ich habe mich am Verdienst meiner Vorfahren festgehalten. Ich hielt mich an den Rockschößen meines Vaters und meines Großvaters und meines Urgroßvaters, gesegneten Andenkens, fest … Sag mir, mein Freund, wie hast du die andere Seite der Grube erreicht?« »Ich habe mich an dir festgehalten«, antwortete der Freund des Rabbiners.
Wenn man an der Schwelle der Nazi-Schande taumelt, benötigt man »eine außergewöhnliche moralische Kraft«, um nicht in die Grube zu stürzen - nämlich eine starke Beziehung entweder zu Gott oder zu einem außergewöhnlichen Menschen (Lengyel, 1946). Für Holocaust-Überlebende, ihre Familien und für internationale Wissenschaftler2 lag die moralische Kraft, die es ihnen ermöglichte, den Holocaust psychisch zu verarbeiten, in Dori Laub. Er hat diese Rolle auch für mich übernommen: Jahrelang habe ich über den Holocaust geschrieben und mich dabei an Dori festgehalten.
Im Film Son of Saul beschäftigt sich ein Mitglied des Sonderkommandos, Saul, mit einem Jungen, der wie durch ein Wunder die Gaskammer überlebt, nur um dann von einem Wachmann ermordet zu werden. Sauls Besessenheit von dem Jungen ist eine Art Fetisch, der sowohl für die Realität steht, als auch an die Stelle der Realität tritt und die eigene Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit ausblendet, wenn die Grenzen des menschlich Erträglichen überschritten werden. Im Angesicht der Angst vor Auslöschung hält Saul an einer Phantasie der Hoffnung fest, dass die Todesmaschinerie weder unbesiegbar noch zwangsläufig ist,