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In einer hochaufgeladenen Szene in Gianfranco Rosis Dokumentarfilm Seefeuer verlässt eine Gruppe afrikanischer Migranten2 ein Schiff und wird von der italienischen Küstenwache empfangen, in einer Begegnung voller Angst, Vorahnung und erwartungsvoller Antizipation. Die Geflüchteten werden von durch antiseptische Uniformen und Masken abgekapselten Beamten untersucht und überprüft. Auf ihren Gesichtern zeichnen sich Fremdheitserleben und Angst ab. Als Zeugen dieser Begegnung wird es dem Zuschauer möglich, sich die Ängste vorzustellen, die aufkommen, wenn Fremde einem unmittelbar nah kommen, und sie zu repräsentieren. Neben der interpersonellen Ebene, die im Dokumentarfilm wiedergegeben wird, liefert ein psychoanalytischer Bezugsrahmen die Möglichkeit, über die subjektive und intrapsychische Resonanz der »unheimlichen Wirkung« nachzudenken, samt der damit einhergehenden Derealisation und Depersonalisation, die für eine Erschütterung des Identitätsgefühls kennzeichnend sind. Indem ich Rosis Vorschlag folge, Lampedusa als eine Metapher zu betrachten, werde ich auf der Insel meine Erkundung der »Identitätsarbeit« verorten, die von den Subjekten und Gruppen aus sehr unterschiedlichen kulturellen Kontexten geleistet wird, wenn sie miteinander in Kontakt kommen. Ich werde de M'Uzans Theorie des »Identitätsspektrums« als eine nützliche Heuristik heranziehen, mit der ein dynamisches und transformatives Feld zugänglich wird, in dem Identitäten im Prozess erfasst werden können. Dabei werde ich ein close reading der Gesangsszene vorlegen, welche Rosi als episch definiert.