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In Bions Werk finden sich neben den von Freud und Melanie Klein entwickelten Konzeptualisierungen des Über-Ichs bahnbrechende Neuerungen. Ausgehend von Klein formulierte Bion zwei neuartige Sichtweisen auf das Thema. In der ersten, seiner Theorie des Denkens, verschiebt sich die Triebperspektive hin zu einem psychologischen Zugang zur Moralität. In der zweiten formuliert er (einfallsreiche und rationale) Annahmen über ein primitives Gewissen, und damit über eine Form von Moralität, die er zeitlich vor der psychischen Instanz, die Freud Über-Ich genannt hatte, und sogar vor dem von Klein beschriebenen archaischen Über-Ich, verortete. Diese primordiale psychische Verfasstheit bezieht sich auf eine vage Dimension, in der die Phylogenese mit fetalen Erfahrungen verschwimmt. Nach Bions Beschreibung entstehen die Manifestationen eines primitiven Gewissens aus einem Zustand von intensivem Grauen und Schuldgefühlen noch vor der Entwicklung eines symbolischen Denkens. Sie behindern die psychische Entwicklung, fühlen sich streng und autoritär an, agieren immer verbietend, können das Individuum potenziell in den Suizid treiben, und man begegnet ihnen häufig in der psychoanalytischen Praxis.