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In den Genoziden des vergangenen Jahrhunderts konnte eine Gruppe, die als Repräsentantin des Gesetzes und der Interessen der Allgemeinheit auftrat, sich mit dem erklärten Ziel bilden, eine andere Gruppe zu vernichten - ohne Ansehen ihrer Mitglieder und einzig und allein, weil diese Menschen einer anderen Gruppe angehörten. Dies stellt eine Verletzung der grundlegenden Verbindung zwischen Ich und Anderen dar, die Identifizierung, Kommunikation und psychisches Leben an sich erst möglich macht. In der Literatur wird diese Verletzung auf der individuellen Ebene aus der Sicht der Opfer und gesamtgesellschaftlich aus der Sicht der Täter2 und der unbeteiligten Zuschauer beschrieben. Die Autorin untersucht, wie die Zerstörung dieser grundlegenden Verbindung in der Analyse bearbeitet werden kann, wenn der Analytikerin die Funktion der teilnehmenden Zeugin übertragen wird, und wie man gesellschaftlich damit umgehen kann: Das kollektive Trauma führt zu einem Kollaps der unbewussten narzisstischen Bündnisse, die sowohl das psychische Überleben des Individuums als auch das der Gruppe garantieren. Neben den zwei großen Unterschieden, die den Boden für Gewalt bereiten - die Geschlechter- und die Generationendifferenz -, führt Kaës einen weiteren großen Unterschied an, der für die Entstehung von Gewalt ebenso wichtig ist - nämlich den Unterschied, der die narzisstische Position des Einzelnen im Verhältnis zur Gruppe bestimmt. Das Durcharbeiten betrifft die im intersubjektiven Austausch wurzelnden Vereinbarungen, die ein Leben in der Gemeinschaft ermöglicht, ohne dass der gesunde individuelle Narzissmus in seinen selbstbezüglichen und auf die Gruppe bezogenen Aspekten beseitigt wird.