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Dr. Sudhir Kakar war Indiens berühmtester zeitgenössischer Psychoanalytiker. Er war auch ein gefeierter kultureller und postkolonialer Denker. Dr. Kakar be-einflusste das Verständnis unbewusster Prozesse in Bezug auf individuelles und kollektives Leben weltweit. Sein Einfluss auf die Psychoanalyse und auf wissen-schaftliche Bereiche wie Literatur, Religion und Spiritualität und auch sein analytischer Zugang zur Untersuchung von Kulturen und Gesellschaften verdienen unsere Aufmerksamkeit. Mit voranschreitendem Alter ließ er von seiner lebenslangen Beschäftigung mit dem Studium der Beziehung von Kultur und Psyche ab und untersuchte zunehmend psychische Strömungen in der zivilisierten Welt. Als klinischer Psychoanalytiker waren seine Einsichten kontextuell fundiert, mitfühlend und scharfsinnig. Es war der Beziehungsaspekt der Psychoanalyse, der ihn am meisten beschäftigte. Dies half ihm, sich sowohl mit der Position der Analytiker*innen als auch mit der der Patient*innen, des Opfers und des*der Täter*in, zu identifizieren. Er trat für Sensibilität im Verstehen komplexer Handlungen und Situationen ein, indem er auch einen Blick für die Menschenwürde von Täter*innen bewahrte.
Als psychoanalytischer Forscher bevorzugte er längsschnittliche Zeitspannen, wie sie die lebensgeschichtliche und psychobiografische Methode bietet. Von Erik Erikson während seiner langwierigen Suche nach einer androgynen und gewaltfreien Ästhetik des Menschen inspiriert, beschäftigte er sich mit der biografischen Analyse großer historischer Persönlichkeiten aus Indien wie M. K. Gandhi, Rabindranath Tagore, Ramakrishna Paramahamsa und anderen. Dieses immersive Eintauchen und Verweilen in Lebensgeschichten ermöglichte es ihm, über Frieden und Liebe nachzudenken, ohne dabei aggressive oder gewaltvolle Strömungen bei sich selbst oder bei anderen zu projizieren oder abzuspalten.