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In den fünf Jahren, die seit der Abfassung dieser Studie vergangen sind, hat die psychoanalytische Forschung den Mut gefaßt, sich den Schöpfungen der Dichter auch noch in anderer Absicht zu nähern. Sie sucht in ihnen nicht mehr bloß Bestätigungen ihrer Funde am unpoetischen, neurotischen Menschen, sondern verlangt auch zu wissen, aus welchem Material an Eindrücken und Erinnerungen der Dichter das Werk gestaltet hat, und auf welchen Wegen, durch welche Prozesse dies Material in die Dichtung übergeführt wurde.
Es hat sich ergeben, daß diese Fragen am ehesten bei jenen Dichtern beantwortet werden können, die sich in naiver Schaffensfreude dem Drängen ihrer Phantasie zu überlassen pflegen wie unser W. Jensen († 1911). Ich hatte bald nach dem Erscheinen meiner analytischen Würdigung der “Gradiva” einen Versuch gemacht, den greisen Dichter für diese neuen Aufgaben der psychoanalytischen Untersuchung zu interessieren; aber er versagte seine Mitwirkung.
Ein Freund hat seither meine Aufmerksamkeit auf zwei andere Novellen des Dichters gelenkt, welche in genetischer Beziehung zur “Gradiva” stehen dürften, als Vorstudien oder als frühere Bemühungen, das nämliche Problem des Liebeslebens in poetisch befriedigender Weise zu lösen. Die erste dieser Novellen, “Der