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FÜNF VORLESUNGEN, GEHALTEN ZUR ZWANZIGJÄHRIGEN GRÜNDUNGSFEIER DER CLARK UNIVERSITY IN WORCESTER, MASS., SEPTEMBER 1909
Herrn G. Stanley Hall, Ph.D., L.L.D.
Präsidenten der Clark University
Professor der Psychologie und Pädagogik
in Dankbarkeit zugeeignet
Meine Damen und Herren! Es ist mir ein neuartiges und verwirrendes Gefühl, als Vortragender vor Wißbegierigen der Neuen Welt zu stehen. Ich nehme an, daß ich diese Ehre nur der Verknüpfung meines Namens mit dem Thema der Psychoanalyse verdanke, und beabsichtige daher, Ihnen von Psychoanalyse zu sprechen. Ich will es versuchen, Ihnen in gedrängtester Kürze einen Überblick über die Geschichte der Entstehung und weiteren Fortbildung dieser neuen Untersuchungs- und Heilmethode zu geben.
Wenn es ein Verdienst ist, die Psychoanalyse ins Leben gerufen zu haben, so ist es nicht mein Verdienst.1 Ich bin an den ersten Anfängen derselben nicht beteiligt gewesen. Ich war Student und mit der Ablegung meiner letzten Prüfungen beschäftigt, als ein anderer Wiener Arzt, Dr. Josef Breuer,2 dieses Verfahren zuerst an einem hysterisch erkrankten Mädchen anwendete (1880 bis 1882). Mit dieser Kranken- und Behandlungsgeschichte wollen wir uns nun zunächst beschäftigen. Sie finden dieselbe ausführlich dargestellt in den später von Breuer und mir veröffentlichten “Studien über Hysterie”.3