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Die Diskussionen in der “Wiener Psychoanalytischen Ver-einigung” verfolgen niemals die Absicht, Gegensätze aufzuheben oder Entscheidungen zu gewinnen. Durch die gleichartige Grundauffassung der nämlichen Tatsachen zusammengehalten, getrauen sich die einzelnen Redner der schärfsten Ausprägung ihrer individuellen Variationen ohne Rücksicht auf die Wahrscheinlichkeit, den anders denkenden Hörer zu ihrer Meinung zu bekehren. Es mag dabei viel vorbeigeredet und vorbeigehört werden; die Endwirkung ist doch, daß jeder einzelne den klarsten Eindruck von abweichenden Anschauungen empfangen und selbst anderen vermittelt hat.
Die Diskussion über Onanie, von der hier eigentlich nur Bruchstücke veröffentlicht werden, dauerte mehrere Monate und spielte sich in der Weise ab, daß jeder Redner ein Referat erstattete, an welches sich eine ausführliche Debatte anschloß. In diese Publikation sind nur die Referate aufgenommen worden, nicht auch die an Anregung reichen Debatten, in denen die Gegensätze ausgesprochen und verfochten wurden. Dies Heft hätte sonst einen Umfang annehmen müssen, der seiner Verbreitung und Wirkung sicherlich im Wege gestanden wäre.
Die Wahl des Themas bedarf in unserer Zeit, in der endlich der Versuch gemacht wird, auch die Probleme des menschlichen Sexuallebens wissenschaftlicher Ergründung zu unterziehen, keiner