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Die Psychoanalyse ist ein ärztliches Verfahren, welches die Heilung gewisser Formen von Nervosität (Neurosen) mittels einer psychologischen Technik anstrebt. In einer kleinen, 1910 veröffentlichten Schrift habe ich die Entwicklung der Psychoanalyse aus dem kathartischen Verfahren von J. Breuer und ihre Beziehung zu den Lehren von Charcot und P. Janet dar-gestellt.1
Als Beispiele der Krankheitsformen, welche der psychoanalytischen Therapie zugänglich sind, kann man die hysterischen Krämpfe und Hemmungserscheinungen sowie die mannigfaltigen Symptome der Zwangsneurose (Zwangsvorstellungen, Zwangshandlungen) nennen. Es sind durchwegs Zustände, welche gelegentlich eine spontane Heilung zeigen und in launenhafter, bisher nicht verstandener Weise dem persönlichen Einfluß des Arztes unterliegen. Bei den schwereren Formen der eigentlichen Geistesstörungen leistet die Psychoanalyse therapeutisch nichts. Aber sowohl bei Psychosen wie bei den Neurosen gestattet sie, — zum erstenmal in der Geschichte der Medizin — einen Einblick in die Herkunft und in den Mechanismus dieser Erkrankungen zu gewinnen.
Diese ärztliche Bedeutung der Psychoanalyse würde indes den Versuch nicht rechtfertigen, sie einem Kreise von Gelehrten vorzustellen,