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Es war im Winter 1899, daß mein Buch “Die Traumdeutung”, ins neue Jahrhundert vordatiert, endlich vor mir lag. Dieses Werk war das Ergebnis einer vier- bis fünfjährigen Arbeit, auf nicht gewöhnliche Art entstanden. Für Nervenkrankheiten an der Universität habilitiert, hatte ich versucht, mich selbst und meine rasch angewachsene Familie durch ärztliche Hilfeleistung an die sogenannten “Nervösen” zu erhalten, deren es in unserer Gesellschaft nur zu viele gab. Aber die Aufgabe erwies sich als schwerer als ich erwartet hatte. Die gebräuchlichen Behandlungsmethoden nützten offenbar nichts oder zu wenig, man mußte neue Wege suchen. Und wie wollte man überhaupt den Kranken helfen, wenn man nichts von ihren Leiden verstand, nichts von der Verursachung ihrer Beschwerden, von der Bedeutung ihrer Klagen? Ich suchte also eifrig nach Anhalt und Unterweisung bei Meister Charcot in Paris, bei Bernheim in Nancy; eine Beobachtung meines überlegenen Freundes Josef Breuer in Wien schien endlich neue Aussicht auf Verständnis und therapeutischen Einfluß zu eröffnen.
Diese neuen Erfahrungen brachten es nämlich zur Gewißheit, daß die von uns nervös genannten Kranken in gewissem Sinne an psychischen Störungen litten und daher mit psychischen Mitteln zu behandeln waren. Unser Interesse mußte sich der Psychologie zuwenden. Was nun die in den Philosophenschulen herrschende Seelenwissenschaft geben konnte, war freilich geringfügig und für unsere Zwecke unbrauchbar; wir hatten die Methoden wie deren theoretische Voraussetzungen neu zu finden. Ich arbeitete also in dieser Richtung zuerst in Gemeinschaft mit Breuer, dann unabhängig von ihm. Am Ende wurde es ein Stück meiner Technik,