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Verlesen bei der Feier des 70. Geburtstages (6. Mai 1926) als Erwiderung auf die von Prof. Ludwig Braun gehaltene Festrede.
Dank für die Ehren, die Sie mir heute erwiesen haben! Sie wissen, warum ich nicht mit dem Ton der eigenen Stimme antworten kann. Sie haben einen meiner Freunde und Schüler von meiner wissenschaftlichen Arbeit sprechen hören, aber das Urteil über diese Dinge ist schwierig und vielleicht noch lange Zeit nicht mit einiger Sicherheit zu fällen. Erlauben Sie mir, etwas zur Rede des anderen hinzuzufügen, der auch mein Freund und mein sorgsamer Arzt ist. Ich möchte Ihnen kurz mitteilen, wie ich B.B. geworden bin und was ich bei Ihnen gesucht habe.
Es geschah in den Jahren nach 1895, dass zwei starke Eindrücke bei mir zur gleichen Wirkung zusammentrafen. Einerseits hatte ich die ersten Einblicke in die Tiefen des menschlichen Trieblebens gewonnen, manches gesehen, was ernüchtern, zunächst sogar erschrecken konnte, anderseits hatte die Mitteilung meiner unliebsamen Funde den Erfolg, dass ich den grössten Teil meiner damaligen menschlichen Beziehungen einbüsste; ich kam mir vor wie geächtet, von allen gemieden. In dieser Vereinsamung erwachte in mir die Sehnsucht nach einem Kreis von auserlesenen, hochgestimmten Männern, die mich ungeachtet meiner Verwegenheit freundschaftlich aufnehmen sollten. Ihre Vereinigung wurde mir als der Ort bezeichnet, wo solche Männer zu finden seien.
Dass Sie Juden sind, konnte mir nur erwünscht sein, denn ich war selbst Jude, und es war mir immer nicht nur unwürdig, sondern direkt unsinnig erschienen, es zu verleugnen. Was mich ans Judentum band,