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Vermutlich hätte sie es ungehörig gefunden, die Aufmerksamkeit des Lesers, ehe er mit dem Studium des Nachtragsbandes zu Sigmund Freuds Gesammelten Werken beginnt, auf die Arbeit, gar die Person der Herausgeberin zu lenken. Denn für sie hieß Edieren Arbeiten im Hintergrund: präzise und auf Vollständigkeit bedacht, doch unaufdringlich und leise. Als Max Frisch kürzlich vor jungen Ärzten über den Tod sprach, meinte er, das Todesbild der Technologen sei das trostloseste: »es entzieht sich dem erlebten Wissen, daß unsere Existenz als Person nicht additiv ist, sondern eine Gestalt, die in sich selber aufgeht, definiert wie eine Kurve als der geometrische Ort aller Punkte, die einer Gleichung entsprechen; eine Geist-Figur, sie kann durch Unfall oder Krankheit oder Krieg vorzeitig zerbrochen werden, aber sie läßt sich nicht beliebig verlängern« (1985). Leben und Arbeit von Angela M. O. Richards sind durch Krankheit vorzeitig zerbrochen worden. Auch wer versucht, anders als die Technologen, die Lebensimmanenz des Todes nicht zu verleugnen, wird diese Vorzeitigkeit schwer hinnehmen können. Sie verstärkt das Bedürfnis, zu Beginn des Buches, dessen Edition sie nicht mehr beenden konnte und von dessen Funktion und Aufbau sogleich nüchtern die Rede sein soll, einige Erinnerungen an Angela Richards festzuhalten.
Als der S. Fischer Verlag, selbst aus der Emigration zurückgekehrt, 1960 die Rechte an Sigmund Freuds Werk von dessen Londoner Exilverlag Imago Publishing Company übernahm, bestand eine paradoxe Situation: die in London unter Kriegsbedingungen begonnenen, zwischen 1940 und 1952, also nach Freuds Tod erschienenen siebzehnbändigen Gesammelten Werke