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Frl. Nina R.
Ich kann von der Patientin kein vollständiges Bild entwerfen,
weil ich nicht alles weiß - ich war nicht ihr ständiger Arzt, sondern behandelte sie nur vor zwei Jahren und jetzt vor ihrer Abreise jedesmal durch einige Monate -
weil mir das Krankheitsbild nicht vollkommen durchsichtig geworden ist. Ich werde mich auf einzelne Bemerkungen und Hervorhebung einzelner Punkte beschränken.
Der Boden, auf dem Patientin erwachsen, ist kein besonders günstiger. Von seiten des Vaters erhebliche hereditäre Belastung, der Vater selbst, soweit ich weiß, nicht neuropathisch, auch durchaus ehrenwert, aber beschränkt, höheren geistigen Interessen nicht weniger abhold als Exzentrizitäten, sein Haus auf Gelderwerb und Geselligkeit eingerichtet, ohne geistige Anregung. Die Mutter eine durchaus gutmütige und brave Frau, gleichfalls nicht neurotisch, aber wenig klug. Das Zusammenleben der beiden vortrefflich. Ein jüngerer Bruder ist durch eine komplizierte Neurose vorwiegend hysterischer Natur gleichfalls existenzunfähig geworden, ein noch jüngerer Bruder hat sich sozusagen noch nicht entschieden.
Das Wesen des Vaters, sein Mangel an Zärtlichkeit oder wenigstens an den Zeichen solcher hat in der Patientin einen Fond von Unzufriedenheit mit ihren Verhältnissen geschaffen und, wie ich von ihr weiß, auf dem gewöhnlichen Wege (Scheu vor den Mahlzeiten als Gelegenheiten des Zusammentreffens) den Grund zu einer hysterischen Anorexie mit Erbrechen gelegt.