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[Wien] IX, Berggasse 19
7. 1. 1894
Verehrter Herr Kollege
Ich bin nicht ganz außer Verkehr mit R., deren Tochter wir im Vorjahr mit solcher Müheanwendung in Ihre Anstalt geschickt haben. Ich bekomme die Briefe zu lesen, die sie nach Hause schreibt, und die Berichte, die Herr Kollege v. Holst1 den Eltern schickt. Unlängst bin ich nun von den Eltern angegangen worden, mich um authentische Auskunft über das Befinden der Patientin an Sie zu wenden. Durch den Tod des einen Sohnes hat sich manches im Hause verändert, und ich besorge, die Neigung, Nina nach Hause zu nehmen, ist jetzt größer als früher.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Sie um einen solchen Bericht zu bitten. Ich weiß, wie lästig ich damit Ihnen (oder Ihren Assistenten) werde, rechne aber auf freundliche Berücksichtigung der an mich gestellten Ansprüche.
Hochachtungsvoll und ergebenst
Ihr Dr. Freud