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25. Dezember 1928
Wien, IX., Berggasse 19
Hochgeehrter Herr
Diese Weihnachten haben mir als das erfreulichste und überraschendste Geschenk Ihre tragische Geschichte von Elisabeth und Essex gebracht. Ich danke Ihnen herzlich für die Gabe und bedaure, daß ich nichts zur Entgegnung habe. Ich bin alt, fühle mich nicht kräftig und werde wahrscheinlich nichts mehr produzieren.
Ich kenne alle Ihre früheren Veröffentlichungen und habe sie mit großem Genuß gelesen. Aber der Genuß war ein wesentlich ästhetischer. Diesmal haben Sie mich tiefer ergriffen, denn Sie sind selbst in größere Tiefen hinabgestiegen. Sie bekennen, worüber der Historiker sich sonst so leicht hinwegsetzt, daß es unmöglich ist, die Vergangenheit sicher zu verstehen, weil wir die Menschen, ihre Motive, ihr seelisches Wesen nicht erraten und darum ihre Handlungen nicht deuten können. Unsere psychologische