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Herrn Dr. Fr. van Eeden
Wien, 28. Dezember 1914.
Verehrter Kollege, Unter dem Einfluß dieses Krieges wage ich es, Sie an zwei Behauptungen zu erinnern, welche die Psychoanalyse aufgestellt hat und die gewiß dazu beigetragen haben, sie beim Publikum unbeliebt zu machen.
Sie — die Psychoanalyse — hat aus den Träumen und Fehlhandlungen des Gesunden wie aus den Symptomen des Nervösen geschlossen, daß die primitiven, wilden und bösen Impulse der Menschheit bei keinem einzelnen verschwunden sind, sondern noch fortbestehen, wenngleich verdrängt, im Unbewußten, wie wir in unserer Kunstsprache sagen, und auf die Anlässe warten, um sich wieder zu betätigen.
Sie hat uns ferner gelehrt, daß unser Intellekt ein schwächliches und abhängiges Ding ist, ein Spielball und Werkzeug unserer Triebneigungen und Affekte, daß wir uns alle scharfsinnig oder schwachsinnig gebärden müssen, je nachdem unsere Einstellungen und inneren Widerstände es gebieten.