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Sie verlangen von mir eine Würdigung des eben verstorbenen Prof. Ludwig Braun2. Ich bin nicht geeignet dazu, ich kann nicht unbefangen sein, denn dieser edelsinnige, in mehr als einer Hinsicht hervorragende Mann war einer meiner nächsten und wärmsten Freunde. Eswar etwas Schicksalhaftes um unsere Beziehung. Ein älterer Vetter von ihm, Heinrich Braun3, war mein intimster Genosse in den Gymnasialjahren gewesen, bis uns die Begebenheiten auf abweichende Lebenswege drängten. In den letzten Dezennien wurde dann Ludwig Braun mein Vertrauter und zeitweilig mein Arzt, ohne daß ich von jener Verwandtschaft wußte. Unsere Intimität ruhte sicher auf dem Bewußtsein zahlreicher innerer Gemeinsamkeiten.
Sigmund Freud