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Ausgehend von der Unterscheidung zwischen vier Grundformen des Antisemitismus (christlicher Antijudaismus, rassistischer Antisemitismus, sekundärer Antisemitismus, Antizionismus) unternimmt der Autor den Versuch, die gemeinsame Klammer dieser Erscheinungsformen in der Schuldabwehr zu erkennen, die ein grundlegendes Moment für die christlich-abendländische Geschichte der Judenfeindschaft darstellt. Anders als in den vorchristlich-antiken und den arabisch-islamischen Gesellschaften werden die Juden in dieser Geschichte zu einem verworfenen Kollektivsubjekt erklärt, das mit einer eingeborenen Schuld behaftet wird, dem „Gottesmord“. Dieser Schuldvorwurf verdankt sich einer Projektion eigener mörderischer Absichten und Taten und kann eine derart wahnhafte Qualität bekommen, dass er sich von „normalen“ Formen der Fremdenfeindlichkeit unterscheidet. Bei dieser wird eine isolierte Tatsache zu einem Vorurteil verallgemeinert („Alle Muslime sind Mörder“), während der Antisemitismus ohne Juden und jede konkrete Erfahrung mit ihnen funktioniert. Der Autor analysiert diesen gemeinsamen Nenner der paranoid-schizoiden Schuldabwehr im abendländischen Antisemitismus vor allem anhand der zahlreichen mittelalterlichen Blutbeschuldigungen (Hostienfrevel, Ritualmord), die auch später im rassistischen Antisemitismus noch wirksam waren. Wenn eine Gesellschaft sich konkretistisch über das Blut definiert, neigt sie zu extremer Gewalt, da die Destruktivität nicht mehr symbolisch bewältigt werden kann.