You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
To comment on IJP Open, you have automatically been assigned a Disqus profile. You can view and contribute to article discussions by clicking on the Discuss icon located in the left toolbar.
Es wird ein Fall aus einer Supervisionssituation dargestellt, und einer nachträglichen soziopsychoanalytischen Reflexion unterzogen. Es handelt sich um den Fall eines geistig behinderten Pädophilen. Die nachträgliche Reflexion geht dem Gedanken nach, warum die spezielle Problematik der Pädophilie im Kontext der Betreuungssituation das supervidierte Team und mich als Supervisorin dazu brachte, „to turn a blind eye“. Die Reflexionen führen bis hin zu Betrachtungen zur Historie der Pädophilie als soziales Phänomen, insbesondere dem Umgang damit in der Nazizeit, die unter dem Schlagwort „Ritualmord an Kindern“ stattfand; zugleich führen sie zu Betrachtungen über die „Euthanasie“ an geistig Behinderten und deren phantasmatischen Hintergrund, und führen zum Aufspüren der phantasmatischen Hinterlassenschaft dieser Geschichte. Es wird gefragt, wie und warum diese sich im konkret mitgeteilten Fall durchsetzten. Es können projektive Mechanismen aufgezeigt werden, die im konkreten Fall den betroffenen Bewohner zum Projektionsschirm sexueller Phantasmen werden ließen, und die dafür sorgen, dass solche Mechanismen in unserer Kultur sich weiterhin durchsetzen, indem sie dazu dienen, dass gewisse unerträgliche Affekte und insbesondere die beängstigend desintegrierende Macht des Sexuellen projektiv abgewehrt können.
Die Arbeit versteht sich als Plädoyer für eine Sozio-Psychoanalyse, die auch die psychoanalytische Klinik und Theoriebildung in ihrem sozialen Kontext reflektiert und hinterfragt.