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Die Kenntnis der Entstehung und des Aufbaues einiger bisher rätselhafter Nervenkrankheiten, der sogenannten Psychoneurosen, und die aus dieser Kenntnis geschöpfte Heilungstechnik hat anscheinend kaum das Recht, außerhalb der ärztlichen Fachwelt Interesse zu beanspruchen, geschweige denn, sich die Fähigkeit zuzuschreiben, auf die Geisteswissenschaften befruchtenden Einfluß auszuüben. Wenn die Psychoanalyse dennoch solche Ansprüche geltend machen kann, so ist dies darin begründet, daß sie die Beschränkung auf das pathologische Gebiet, dem sie ihre Entstehung verdankt, abgestreift und das dort zuerst Gefundene erfolgreich auf die Vorgänge und Erzeugnisse des normalen Seelenlebens angewandt hat. Durch den Ausbau, den sie in dieser Richtung, unterstützt von zahlreichen Mitarbeitern, im Laufe ihrer Entwicklung erhalten hat, darf sie heute als vollwertige Psychologie gelten, die nicht auf das Laboratorium beschränkt, sondern auf alle seelischen Phänomene, wie sie das reale Leben hervorbringt, anwendbar ist. Von der Einzelpsyche aber läßt sich unschwer der Übergang zu dem Verständnis der Kulturformen als Niederschlag des Zusammenwirkens zahlloser Einzelseelen finden. Diesen Entwicklungsgang kurz zu schildern und dabei die Stellen anzuzeigen, wo unseres Erachtens die Wege in die Zukunft abzweigen, soll die Aufgabe der folgenden Blätter sein.
Im Jahre 1880 machte ein Wiener Arzt, Dr. Josef Breuer, an einem schwer hysterischen Mädchen, das er mit Zuhilfenahme der Hypnose behandelte, eine Entdeckung, die zur Grundlage für ein neues Heilverfahren geeignet schien. Er fand nämlich, daß ihre Krankheitserscheinungen schwanden, nachdem die Patientin in der Hypnose die vergessene Veranlassung für das erste Auftreten dieses Symptoms in ihrem Gedächtnisse wieder aufgefunden und die Gemütsbewegung, welche bei jenem ursprünglichen Anlasse aus irgend