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Das englische Leben bietet dem Bewohner des Kontinents vielseitige Anregungen; der Psychoanalytiker kommt dabei auch zu seinem Rechte; ich will im folgenden versuchen, einige meiner diesbezüglichen Beobachtungen in zwangloser Form mitzuteilen. Man erwarte also nur Eindrücke und Einfälle meinerseits und keine systematische Abhandlung.
Die Frau spielt im englischen Leben eine mächtige, schon äußerlich sichtbare Rolle. Ihre Bedeutung ist auf der Straße, in der Gesellschaft und in der Familie überall zu erkennen; sie ist das Zentrum, um das sich alles dreht. Zwei extreme Haupttypen der Frau demaskieren sich bald, sozusagen von selbst: der männliche Typus und die Puppe. Der erstere scheint der häufigste zu sein, der körperliche Bau weist schon viele männliche Züge auf, das Gesicht hat etwas Eckiges, Grobes*, das Benehmen, die Gesten, der Gang haben etwas unangenehm Entschlossenes, Energisches, häufig Schwerfälliges.
Die Sufragette gehört meistens zu diesem Typus, wie ich reichlich Gelegenheit hatte, zu beobachten. Die Bestürmung des Hauses des Parlamentes durch die weibliche Horde, der förmliche Ringkampf mit Hunderten von Policemen 〈im November 1910〉 war ein eigenartiges Bild. Dieses Poltern, Schlagen, Ringen war der Ausdruck einer ausgesprochenen Aggressivität seitens der Frau. Viele Szenen trugen einen schwer hysterischen Charakter. Die masochistischen und sadistischen Triebkomponenten kamen ebenfalls zur Betätigung: Sehr charakteristisch war mir dafür z. B. das verklärte Gesicht eines etwa 17jährigen Mädchens, welches eine halbe Stunde lang mit zwei Policemen kämpfte unter den zustimmenden Rufen einer begeisterten weiblichen Umgebung und den höhnenden Rufen der männlichen Anwesenden etc.
Die Sufragettenbewegung in England ist eine soziale Bewegung von großer Macht. Die Frau will aus ihrer bisherigen Passivität heraus, sie will sich nicht mehr mit ihrer biologischen Funktion der Fortpflanzung und mit ihrer sexuellen Rolle begnügen; sie will sich betätigen, sie wird aggre