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Seit zirka 50 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft gelegentlich mit dem Phänomen des Farbenhörens, dessen Erforschung nicht so sehr die Seltenheit des Vorkommens vielfach erschwert, als die zumeist unzulänglichen Berichte der mit ihm Behafteten, zumal unter den Laien auch heute noch die Ansicht besteht, es gehöre ins Kapitel der Schrullen und »Narreteien«, die nur umso störender hervortreten, je größere Beachtung ihnen zugewendet wird. Raten doch Forscher wie Benedikt dringend davon ab, sich in dieses Problem zu vertiefen, da solche Betätigung zur Hypochondrie führe. Und es bleibt keinem Farbenhörer erspart, einem ungläubigen oder höhnischen Lächeln zu begegnen, wenn er, sei es im Kreise der Familie oder der Freunde, von den Synästhesien berichtet, die ihm Geschehnisse oft lustvoll betonen, manchmal auch mit verstärkter Unlust zum Bewußtsein bringen. Die skeptische Aufnahme solcher Aussagen lassen den mit dieser Bewußtseins-Erscheinung Behafteten bald verstummen, ohne daß sie natürlich deshalb schwände. Insbesondere lieben es Eltern, mit ihrer ganzen Autorität einer solchen »Hypernervosität« ihrer Kinder, in der sie ein ihnen unerklärliches Abweichen vom guten Schlage ihrer Familie erblicken, entgegenzutreten, und übersehen, daß hier die Nichtbeachtung ebenso wenig die beabsichtigte Wirkung versagt, wie das vorsätzliche Nichtsehen sexueller Äußerungen in zartem Kindesalter diese erstickt. Man schafft fatale Regungen der kindlichen Seele nicht aus der Welt, indem man ihr Bestehen leugnet oder sie mit Prügeln beantwortet, man zwingt sie höchstens, sich für den Augenblick ängstlich zu verbergen, um vielleicht zu späterem Zeitpunkte als schwere psychische Erkrankung hervorzubrechen.
Unter Farbenhören oder chromatischer Synopsie* verstehen wir die zwangsmäßige, mehr oder minder als solche empfundene Verknüpfung von Tönen und Gerauschen mit Farbenempfindungen; es steht unter den Synästhesien obenan. Seltener findet sich die reziproke Erscheinung, daß nämlich Farbeneind