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〈Mitte September 1911〉
Im Verlaufe einiger höchst anregender Bemerkungen über den Aberglauben schreibt Freud1: »Ich nehme nun an, daß diese bewußte Unkenntnis und unbewußte Kenntnis von der Natur der psychischen Zufälligkeiten eine der psychischen Wurzeln des Aberglaubens ist.« Er stellt den allgemeinen Grundsatz auf, daß die unrichtige Bedeutung, die von den Abergläubischen zufälligen äußeren Ereignissen beigelegt wird, sich aus der assoziativen Verbindung erklärt, die zwischen diesen Ereignissen und wichtigen Gedanken und Trieben im Unbewußten des betreffenden Menschen besteht, daß sie eine Projektion der Bedeutung darstellt, die in Wirklichkeit den unbewußten Gedanken zukommt; das Gefühl der Bedeutsamkeit ist also vollständig gerechtfertigt, aber es wurde in eine falsche Verknüpfung gebracht. Der Zweck der vorliegenden Abhandlung ist, im Lichte dieser Hypothesen einen der bekanntesten und verbreitetsten Aberglauben zu prüfen, daß es nämlich Unglück bringe, Salz auf dem Tisch zu verschütten.
Dabei werde ich mich bemühen, nur die induktive Methode anzuwenden, d. h. Hypothesen nur aufzustellen, wenn sie als berechtigte Schlusse aus vorher festgestellten Tatsachen erscheinen, und sie dann daraufhin zu prüfen, ob sie imstande sind, den gesamten Umfang des zugänglichen Materials zu erklären.
Zwei wichtige Tatsachen müssen zu Beginn erwähnt werden: zunächst, daß man zu allen Zeiten dem Salz eine Bedeutung zuschrieb, die diejenige seiner natürlichen Eigenschaften weit übertraf: Homer schildert es als göttlichen Stoff, Plato schreibt, daß es den Göttern besonders wert sei2, und wir werden sogleich seine große Wichtigkeit bei religiösen Zeremonien, Verträgen und magischem Zauber kennen lernen. Daß dies in allen Teilen der Welt und zu allen Zeiten der Fall war, zeigt, daß wir es hier mit einer allgemein menschlichen Neigung zu tun haben und nicht mit einem lokalen Brauch, einem Zufall oder einem unwesentlichen Zug. Ferner entlehnte man dem Salzbegriff in den verschiedenen Spra