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Die Psychoanalyse bewährt ihre Bedeutung als heuristische Methode wohl am besten dadurch, daß es ihr mit Erfolg gelingt, seelische Phänomene der verschiedensten Art, die scheinbar nicht die geringste Beziehung zur Tiefenpsychologie haben, in ihrer stets identischen psychosexuellen Determiniertheit zu erkennen. Von dem speziellen Bereich der Hysterieforschung ausgehend, hat diese junge Wissenschaft Radien nach den mannigfaltigsten Wissensgebieten — ich nenne bloß Moral, Pädagogik, Mythologie, Sprachwissenschaft, Kunstpsychologie, Soziologie, Kriminalistik und Religionspsychologie — gezogen; sie hat — um noch Einiges zur Charakteristik ihrer Universalität anzuführen — einen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Gruppe von Charakterzügen und einer gewissen Art der Erotik hergestellt und dadurch einer zukünftigen Charakterologie die fruchtbarsten Impulse gegeben, sie hat ferner nachgewiesen, wie sehr die Berufswahl oder die Wahl wissenschaftlicher Untersuchungen durch unbewußte Komplexe bestimmt wird. Nicht zu ihren geringsten Ruhmestiteln gehört es endlich, gewisse Stimmungen, die sich rational nicht gut rechtfertigen lassen und deren Erklärung uns die Psychologie bisher schuldig geblieben ist, durch das Unbewußte motiviert zu haben.
Wer von uns hätte nicht schon — besonders im Frühjahre* oder Herbst — den unbezwinglichen Trieb zu reisen verspürt, wobei er für seine Reise eine ganze Reihe von scheinbar einleuchtenden Gründen aufzuzählen wußte! Daß seine Reiselust in sehr vielen Fällen mit seinem Liebesleben in Verbindung steht, daß eine solche Reise, die spontan, ohne rechte äußere Veranlassung unternommen wird, oft nur eine Reise nach — Cythere ist, hätte er schwerlich geglaubt, wenn auch diese Tatsache schon bisweilen irgendwie dunkel erkannt worden war**. Es sind in erster Linie die Dichter, die den richtigen Zusammenhang geahnt und so auch diesmal der Psychoanalyse vorgearbeitet haben, obgleich sie sich zumeist damit begnügten, anstatt der ursächlichen Verknüpfung