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Es ist eine eigentümliche Tatsache, daß der Erwachsene, rückschauend in seine Jugendzeit, meist schon im siebenten Lebensjahr auf das große »schwarze Loch in seinen Erinnerungen« stößt, wie Otto Ernst die Gedächtnislücken des kleinen AsmusSemper nennt. Hinter diesem dunklen Nichts leuchten dann noch wenige helle Gebilde mit scharf umrissenen Konturen aus dem nebelhaften Chaos des frühesten Kinderdaseins. Es sind Erinnerungsbrocken von seltsamer Klarheit, aber weil dem Erwachsenen jeder Zusammenhang derselben mit dem übrigen Geschehen entschwunden ist, so weiß er mit ihnen nichts anzufangen. Ja, er verlegt sie, in dem dunklen Bewußtsein, daß sie für ihn einst eine große Bedeutung gehabt haben, in spätere Jahre, obwohl sie ihm dort nicht am rechten Platze scheinen; aber diese bewußten und unbewußten Erinnerungstäuschungen sind nicht imstande, jenen Resten infantilen Geistes- und Gemütslebens etwas von ihrer fast visionären Klarheit zu rauben. Neben diesen »poetischen Naturen, bei denen die Erinnerungen der Kindheit bis ins höchste Alter lebendig bleiben und zuletzt die jüngeren Eindrücke ganz und gar verdrängen«1, sind andere — und es ist vielleicht die Mehrzahl — die wenige oder gar keine Erinnerungen an die Frühzeit ihrer Seele bewahrt haben. Und es gibt Forscher, »die es mit Freude begrüßen, in der Zeit, da die Auffrischung frühester Jugenderinnerungen Mode geworden, einmal einem zu begegnen, der gesteht, nichts zu erinnern«. Wenn wir an diese Behauptung die psychoanalytische Sonde legten, so würde sich dartun, daß diese Personen viel von dem, was in ihrer Kindheit eine wichtige Rolle spielte, nicht wirklich vergessen, sondern bloß gut ins Unbewußte verdrängt haben. Wenn Compayré2 sagt: »Es würde natürlich erscheinen, wenn die Erinnerungen an die Anfänge unseres Lebens dunkel wären; in Wahrheit aber sind sie gar nicht vorhanden«, so kann man, auf psychoanalytischem Boden stehend, dem Gelehrten bloß im ersten Teil seiner Meinung beipflichten. Denn die Psychoanalyse