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In den Werken des mit Recht berühmten und populären deutsehen Denkers und Universitätslehrers Hermann Lotze1 fand ich einige Sätze, die — obzwar rein spekulativ entstanden — eine so weitgehende Übereinstimmung mit den auf empirischem Wege gewonnenen psychologischen Erkenntnissen der rsychoanalytik aufweisen, daß wir ihren Autor als einen der Vorahner der Ideen Freuds betrachten dürfen. Eine solche Kongruenz der Resultate intuitiven Denkens und Dichtens2 mit den Ergebnissen der praktischen Erfahrung ist nicht nur vom geschichtlichen Standpunkt interessant, sondern sie kann auch als ein Argument für die Stichhältigkeit jener Erkenntnisinhalte selbst in Betracht kommen.
In der »Psychopathologie des Alltagslebens« erklärt bekanntlich Freud das Vergessen als ein Unbewußtwerden von Vorstellungen, begründet durch Unlustmotive. In seinen »Grundzügen der Psychologie« 〈VII. Aufl. Leipzig, S. Hirzel〉 sagt Lotze über dieses Thema u. a. folgendes:
§ 15. »…. die Erinnerungsbilder früherer Eindrücke 〈sind〉 nicht immer im Bewußtsein vorhanden, sondern treten nur zeitweilig in demselben wieder auf, dann aber so, daß kein äußerer Reiz nötig war, um sie von neuem zu erzeugen.
Hieraus schließen wir, daß sie in der Zwischenzeit für uns nicht ganz verloren gewesen sind, sondern sich in irgendwelche ‚unbewußte‘ Zustände verwandelt haben, die wir natürlich nicht beschreiben können, und für die wir den an sich widersprechenden aber beguemen Namen ‚unbewußte Vorstellungen, brauchen …«
§ 16. »…. Zwei Ansichten standen sich hier gegenüber. Man hielt früher das Verschwinden der Vorstellungen für natürlich und glaubte das Gegenteil, das Gedächtnis, erklären zu müssen. Man Folgt jetzt der Analogie des physischen Gesetzes der Beharrung und glaubt das Vergessen erklären zu müssen, weil an sich die ewige Fortdauer eines einmal erregten Zustandes sich von selbst verstehe.
Diese Analogie ist nicht ohne Bedenken. Sie gilt von der Bewegung der Körper. Allein Bewegung ist nur eine Änderung äußerer Relationen,