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Der Wert der kleinen Schrift, die den bekannten Professor der Philosophie an der Universität Wien zum Verfasser har, liegt nicht nur darin, daß sie zuerst einen orientierenden Überblidc über die Aussagcpsychologic bietet, sondern auch in ihrer klaren und besonnenen Kritik und den vielfachen Anregungen, die sie spendet.
Ein kurzer, historischer Abschnitt über die Entwicklung der Aussage-psychologie dient zur Einführung. Es folgt eine komprimierte Darstellung ihres gegenwärtigen Standes, in welcher den Forschungen von Freud, Jung und Riklin ein großer Raum reserviert ist. Professor Stöhr zeigt das Neue und Fruchtbare, das die Psychoanalyse gerade für dieses Gebiet geliefert hat. Er scheidet in seiner Kritik den allgemeinen Gesichtspunkt Freuds, dem er die größte Bedeutung zuerkennt, von den besonderen Ausführungen der Psychoanalyse. Sein erster Einwand erwächst aus seiner Definition des Charakters. Charakter ist das Intensitätenverhältnis der Grundtriebe. Ist bei einem Menschen der Geschlechtstrieb am stärksten entwickelt, so wird man vom Charakter des Sexualisten reden müssen. In ähnlicher Weise müsse man auch vom Charakter des Egoisten, des Altruisten usw., schließlich auch von einem harmonischen Charakter, in dem alle Grundtriebe sich gleichmäßig entwickelt haben, ausgehen. Eine Besonderheit der Freudschen Theorie bestehe nun darin, daß die Menschheit den Charakter des Sexualisten haben solle. Man kann die Definition des Charakters, die der Autor aufstellt, als eine sehr glückliche ansehen, ohne darum mit den