You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Beethoven sagte, nachdem er die »Eleonora« von Paer gehört hatte: »Diese Oper gefällt mir, ich hätte Lust, sie in Musik zu setzen.« Ähnlidi ergeht es einem nach der Lektüre des großangelegten Werkes, in dem August Horneffer das Problem des Priesters in seiner ganzen Tiefe zu umfassen sucht1. Der Hauptfehler des psychologischen Teiles 〈die sozialen und reformatorischen Ausführungen kommen für uns erst in zweiter Linie in Betracht〉 scheint mir der zu sein, daß der Autor hier einen deskriptiven Standpunkt einnimmt, wo ein psychogenetischer geboten wäre. Zwar hat er, was das völkerpsychologische Material betrifft, fast zu reichlich das Werden des Priestercharakters belegt, darüber aber die andere Seite des Problems, die individualpsychologische, vernachlässigt. Hier aber wären die Fragen nach den seelischen Bedingungen der Berufswahl, wie sie sich dem Psychologen aus der Entwicklungsgeschichte der Libido und der wechselnden Verhältnisse der Triebkomponenten ergeben, am Platz. Der Wert der beiden starken Bände, die sidierlich eine Arbeit mehrerer Jahre voraussetzen, ist dadurch leider verringert; doch bleibt er immerhin ein sehr großer und kein Psychologe, der sich mit den vielen Religionsfragen beschäftigt, wird es unterlassen, sie mit großem Interesse zu lesen. Besonders lehrreich ersdieinen die Ausführungen Horneffers über die primitiven Glaubensformen, über die Tabuierung und andere Arten religiöser Gesetzgebung. Als feiner Beobachter kommt er oft psychoanalytischen Gedankengängen nahe. Ein hübsches Beispiel für die »Allmacht der Gedanken«, das er erzählt, ist folgendes; wenn ein Skythenkönig erkrankte, ließ er die drei bedeutendsten Wahrsager kommen. »In der Regel lautet ihr Spruch dahin, daß ein Stammesgenosse, den sie namhaft machen, einen Meineid auf die königlichen Hausgötter geschworen habe.« Die Therapie ist einfach und radikal: der Schuldige wird ergriffen und geköpft.
In dem Kapitel »Der Priester als Kranker« prüft Horneffer alle