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»Die Götter sind gerecht: aus unsern LüstenErschaffen sie das Werkzeug, uns zu geißeln«.
Wir wenden uns nunmehr der zweiten, der Zeigelust komplementären Triebregung, nämlich der Schaulust, zu, die sich auf den Anblick das Nackten richtet. Auch hier lassen sich wieder zwei Motivgestaltungen in gesonderter Gruppierung behandeln, obwohl sich nicht selten beide beisammenfinden oder ineinander übergehen. Und wieder entspricht die 1. vorwiegend sagenhafte mit ihren organischen Ausdrucksmitteln und neurotischen Mechanismen einem scharf umschriebenen pathologischen Krankheitsbilde, ganz wie das Motiv des Aussatzes den neurotischen Ausschlägen, während die 2. dichterische rein auf dem psychischen Gebiete der Phantasie verbleibt und sich dadurch — ganz wie die schamhafte Hemmung — dem Traumcharakter annähert.
»Nun beim Himmel! dir wäre besserDu rissest dir die Augen aus, als daß sieDer Zunge anvertrauten, was sie sahn.
Auch über die typische Verdrängungsform der erotisch betonten Schaulust sind wir durch eine Arbeit Freuds1 unterrichtet, in welcher darauf hingewiesen wird, daß gewissen neurotischen Sehstörungen die Idee aer Talion zugrunde liege, d. h. eine von den Hemmungen gegen die Schaulust gleichsam geforderte Bestrafung der Organe, die durch den Anblick von etwas Verbotenem (Nacktem) oder dem bloßen Wunsche danach gesündigt haben.2 Dieser psychische Mechanismus wird nach Freuds grundlegender und in gleicher Weise für die Erogenität der Haut (Ausschlag) geltenden Auffassung dadurch ermöglicht, dass unsere Sinnesorgane nicht nur den reinen Interessen des Ich, sondern auch den oft genug damit unverträglichen sexuellen Regungen zu dienen haben und daß diese Doppelfunktion nicht selten zu Konflikten Anlaß gibt, die zu (neurotischen) Störungen