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Das vorliegende Sammelbuch kann zu den bedeutsamsten Erscheinungen in der neueren Literatur über das Judenproblem gerechnet
werden. Es erhält seine Bedeutung nicht nur dadurch, daß jüdische Schriftsteiler und Gelehrte von Ruf darin ihre Ansicht über das seltsame Los ihres Volkes niedergelegt haben, sondern auch durch den Umstand, daß sämtliche Beiträge so verschiedener, starker Persönlichkeiten eine ähnliche Auffassung zeigen. Ohne nachdrücklich ausgesprochen zu werden, scheint ein Wort Moritz Heimanns dem Buche als Motto voranzugehen: »Was ein auf die einsamste, unzugänglichste Insel verschlagener Jude noch als Judenfrage anerkennt, das einzig ist sie«. Wie es bei ähnlichen Aussprüchen zu geschehen pflegt, ist auch hier Irrtum und Wahrheit innig verbunden. Man kann verstehen, wie Hei mann zu seinem Ausspruch kam: er hörte überall von der Judenfrage als einer sozialen, politischen, religiösen und nationalen sprechen und erkannte, daß das rein Seelische als das Wesentliche der Frage überhaupt vernachlässigt werde; jene psychischen Determiniertheiten, die jeden Juden, auch dann noch, wenn er sich vom Judentum lossagen will, in Liebe und Haß mit seiner Nation verbinden. Schon Theodor Herzl, der Schöpfer des modernen Zionismus, sprach es aus, daß eine Rückkehr ins Judenland vor einer Rückkehr zum Judentum nicht möglich sei. Die folgende Generation besinnt sich immer mehr und mehr auf die seelische Bedingtheit des Problems und wendet sich auch dort, wo sie zionistisch denkt, gegen den »mechanistischen Territoriums- und Staatsgedanken« 〈Nathan Birnbaum〉.
In der Formulierung Heim an ns erscheint nun die Judenfrage als eine rein seelische. Selbst wenn man sich auf Heimanns Standpunkt stellte, müßte man seine Formulierung als zu enge der Kritik unterwerfen: ein auf die einsamste Insel verschlagener Jude — hätte er nicht Eltern, Geschwister, Freunde und Feinde g