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Nietzsche hat auf die Tragödie des Kinderherzens, die sich aus der ambivalenten Einstellung zum Vater ergibt, hingewiesen 〈Menschliches Allzumenschliches, Bd. I, 422〉: »Es kommt vielleicht nicht selten vor, daß edel und hochstrebende Menschen ihren härtesten Kampf in der Kindheit zu bestehen haben: etwa dadurch, daß sie ihre Gesinnung gegen einen niedrig denkenden, dem Schein und der Lügnerei ergebenen Vater durchsetzen müssen.« Eine andere gleichgerichtete Äußerung des Philosophen 〈ibd. I, p. 382〉: »Väter haben viel zu tun, um es wieder gutzumachen, daß sie Söhne haben.« Die Psychoanalyse zeigt, daß der Zweifel an Gottes Gerechtigkeit in der Kindheit in Verbindung mit der analogen Einstellung zum Vater erwacht. Nietzsche erzählt von sich: »In der Tat ging mir bereits als dreizehnjährigen Knaben das Problem vom Ursprung des Bösen nach: ihm widmete ich in einem Alter, wo man ‚halb Kinderspiele, halb Gott im Herzen hat’, mein erstes literarisches Kinderspiel — und was meine damalige Lösung des Problems anbetrifft, nun, so gab ich, wie es billig ist, Gott die Ehre und machte ihn zum Vater des Bösen.« 〈Genealogie der Moral.〉 Ähnlich erging es Stendhal, von dessen Vater Eduard Rod 〈Stendhal, Paris 1892, p. 9〉 berichtet: »qui n'aimait guère son fils et que son fils detesta.« Rod erzählt von dem Dichter und den Beziehungen zu seinen Eltern: »il devint athée en haine de leur Dieu, jacobin, parce que les sansculottes fouillaient leurs pretres.« Bekanntlich blieb Stendhal bei seiner atheistischen Kinderüberzeugung. Seine Anschauung über Religion faßt er in dem Ausspruche zusammen: »Die einzige Entschuldigung Gottes ist, daß er nicht existiert.«