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Mit Vergnügen darf festgestellt werden, wie sehr sich seit dem letzten Buch desselben Verfassers — über Flauberts »Tentation« — sein Auge geschärft, sein psychologisches Gesichtsfeld erweitert hat. Er begnügt sich nicht mehr mit den ungefähren Umrißlinien des unbewußten Seelenlebens, sondern folgt ihm durch seine Windungen und Entstellungen, Schichtungen und Kompromisse hindurch und weiß die feinsten Ausläufer, die zartesten Details seiner Deutungskunst dienstbar zu machen. Ohne den Ödipuskomplex zu vernachlässigen, zieht er die anderen, für das Unbewußte bedeutungsvollen seelischen Mechanismen in den Kreis seiner Beobachtung, vor allem die »Allmacht der Gedanken«, die Beziehungen zwischen Eifersucht und Homosexualität, das Problem der Vergänglichkeit des Ich und des Narzißmus. Dadurch hält sich das Buch von der pedantischen Monotonie frei, die die Gefahr solcher Untersuchungen bildet, der Gedankenzug erhält Fülle und Geschmeidigkeit und wird so den untersuchten Dichtungen näher gerückt und besser geeignet, ihnen in der eigenen Weise gerecht zu werden.
Besonders genußvoll ist es, an der Hand des Autors die Wege zu verfolgen, auf denen die Motive Schnitzlers wandeln und mitanzusehen, wie sie, im Innersten unverändert, sich einer pathetischen oder ironischen, wichtigen oder nebensächlichen Verwendung anzupassen verstehen. Durch solche Enthüllungen läßt sich auch der Behauptung am besten begegnen, die Psychoanalyse verkleinere gewaltsam die Persönlichkeit des Dichters und mindere die Empfänglichkeit für seine Werke; denn erst nach der Zurückführung auf die wenigen, ewig wiederkehrenden Grundmotive kann man das Verdienst des Künstlers nach Gebühr bewundern, der aus so geringem Stoffe den unzerstörbaren Eindruck reichster und verwirrender Vielgestalt hervorzuzaubern vermochte.
Ein kühnes Unterfangen Reiks ist es, die Träume, die Schnitzler in seine Werke eingestreut hat, nach den Regeln der »Traumdeutung« aufzuklären; daß dieses Wagnis so vollkommen gelungen ist, darf sich