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Für die Psychologie ist das Interessanteste an den Naturwissenschaften ihr Werden. Man hat es lange versäumt, diesem Werden überall liebevoll nachzugehen. Heute sind eine Anzahl Männer am Werk, das Vernachlässigte an den Tag zu bringen und Verständnis zu gewinnen und zu verbreiten für das, was man mangels Kenntnis der Zusammenhänge in falschem Licht sah, wenn man's überhaupt eines Blickes würdigte. Jene Zusammenhänge aber, die nicht ignoriert werden wollen, sind großenteils psychologisch; und es sei hinzugefügt, daß es hier der Aufgaben für die Psychanalyse nicht ermangelt. Was bei Franz Strunz, dem bekannten Wiener Gelehrten, einem Spezialisten in der Geschichte der Naturforschung, besonders angenehm auffällt, ist, daß er ein offenes Auge für das Psychologische in der Entwicklungsgeschichte hat. Er arbeitet zwar diese Seite der Sache nicht aus, läßt dem Psychologen seinen Teil übrig: aber eben nur »übrig«, denn der psychologische Betrachter kann an das, was ihm Strunz erschlossen hat, an vielen Stellen einfach anknüpfen.
In seinem jüngsten Buch bietet Strunz neben einigen allgemeinen Artikeln 〈wie: Die Vergangenheit der Naturforschung, Naturgefühl und Naturerkenntnis〉 den historischen Stoff sozusagen in Porträtform. Die Gedankenkreise der mittelalterlichen Forscherin Hildegard von Bingen, des Comenius, des Johann Baptist van Helmont werden gezeichnet, und das Schlußkapitel ist einer Betrachtung von Rousseaus Naturgefühl gewidmet. Man merkt in dem ganzen Buch einen sympathischen Zug, der das zu verwirklichen strebt, was im Vorwort angekündigt wird, daß nämlich