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Mitgeteilt von Dr. H. v. Hug-Hellmuth.
Die starke Abneigung so vieler Erwachsener gegen das Briefschreiben ist in allen Gesellschaftsschichten so weit verbreitet, daß wir mit gutem Rechte nach allgemein giltigen tieferen Ursachen forschen dürfen, für welche die Überlastung des Mannes im Berufsleben, der Zeitmangel der Frau infolge häuslicher, gesellschaftlicher oder beruflicher Pflichten bloß bequeme Deckmäntel sind. Der Widerwille, der mit einem Male schwindet, wenn sich die Erotik zum Worte meldet, der mächtig anschwillt, sobald die Liebe im weitesten Sinne des Wortes schweigt, wurzelt tief in der Seele der meisten. Seine Motive liegen weit zurück in der Kindheit, in jenen Jahren, da überhaupt Vorliebe und Abneigung, die später das Leben in fast unerklärlicher Weise beherrschen, als oft kaum merkliche Reaktion auf die Erziehung und das Milieu sich entwickeln.
Bis in die Schulzeit zurück läßt sich die Abneigung gegen das Briefschreiben verfolgen. Keine Unterrichtsstunde ist dem Kinde auf frühen und späteren Lernstufen so unerquicklich und ehrlich verhaßt als die Aufsatzstunde, in der sich der Lehrer — in der Regel mit wenig Erfolg — bemüht, den kindlichen Geist mit dem Geheimnis des Stils in Wunsch-, Dank-, Erkundigungs- und anderen Briefen bekannt zu machen, in denen der Schüler die Eindrücke einer wirklich erlebten oder gar fingierten Reise einem Freunde nach einem vorgegebenen Plane mitteilen soll, Briefe, in denen er nichts vom Essen und Trinken, das ihm vielleicht um der ungewohnten Genüsse willen das Köstlichste schien, von Mitreisenden, über die er sich etwa gar lächerlich gemacht, erwähnen darf, indes er getreulich Dinge berichten soll, die sein Inneres kalt lassen. Das Kind fühlt das Erzwungene eines solchen Briefes und schlürft in solchen Stunden die widerwärtige, nicht immer heilsame Arznei des bitteren Muß vielleicht deshalb unter stärkerem Mißbehagen als bei anderen Gelegenheiten der notwendigen Einordnung in das Schul- und Lerngetriebe, weil