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Die große Mehrzahl der Mythen erzählt Begebenheiten, die auf der Erde, nicht am oder im Himmel spielen. Wenn auch ohne Frage zuzugeben ist, daß ihrer viele zu irgend einer Zeit auf Himmelsvorgänge bezogen wurden, so ist doch alles, was hierüber ausgesagt werden kann, im ganzen nicht so handgreiflich sicher, wie daß alle Mythen ohne Ausnahme durch das Medium der menschlichen Psvche gegangen, eigentlich ihrem Schoß entsprossen sind, und daß so die menschlichen Neigungen, Strebungen, Befurchtungen, Konflikte auf die Mytheninhalte übergehen mußten, und zwar nicht bloß im oberflächlichen, sondern auch im Sinne der Tiefenpsychologie. Die psychologische Abhängigkeit des Mythos gilt sowohl dort, wo astrale 〈oder sonstige auf bestimmte Naturschnitte beschränkte〉 Deutungen zulässig, als wo sie unzulässig sind, und so kommt es, daß die psychologische Betrachtung der Mythen weit umfassender und — gewissermaßen als Entschädigung für ihre mitunter gefährliche Dehnbarkeit — in gewisser Hinsicht besser fundiert ist als ihre Deutung auf einzelne äußere Naturvorgänge1.
Es bedarf also vielleicht keiner weiteren Entschuldigung, wenn ich in den folgenden Ausführungen über das Zerstückelungsmotiv seine, unzweifelhaft vorhandenen, Beziehungen zum Himmel 〈Mondzerstückelung etc.〉 vernachlässige. Nur psychologischer Bedeutungen soll hier gedacht werden, und zwar bloß einiger weniger, noch dazu in fast gesprächsweis zwangloser Aneinanderreihung: eine strengere und weiter ausgreifende Behandlung des Gegenstandes sei für eine andere Gelegenheit vorbehalten.
Wohl mit allen anderen mythologischen Motiven teilt das Zerstückelungsmotiv die Eigenschaft, mehreren psychologischen Zusammenhängen anzugehören, sei es, daß es sich im einzelnen Fall überdeterminiert zeige, sei es, daß es sich in verschiedenen Fällen auch verschieden angewendet finde. Otto Rank, der sich von einer bestimmten Seite her mit dem Zerstückelungsmotiv psychologisch befaßt hat2, erblickt darin teils die Entmannung des Vaters durch d