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Mors illi Venus est, sola est in morte voluptas.Ut possit nasci, appetit ante mori.Ipsa sibi proles suus est pater et suus heres,Nutrix ipsa sui, semper alumna sibi.Ipsa quidem, sed non eadem, quia et ipsa nec ipsa est,Aeternam vitam mortis adepta bono.
Über die Zeit der Abfassung und Aufführung des »König Ödipus« des Sophokles liegen uns keinerlei Nachrichten aus dem Altertum vor, neuere Datierungsversuche gehen sehr weit auseinander, sein Gegenstück jedoch, der »Ödipus auf Kolonos«, darf mit Sicherheit als das letzte Werk des greisen Dichters bezeichnet werden. Die Tragödie wurde im Jahre 401 v. Chr. aufgeführt, drei Jahre nach seinem Tode, unter der Leitung seines Enkels Sophokles, des Sohnes des Ariston. Eine andere Nachricht beschränkt sich auf die Bemerkung, daß Sophokles das Stück verfaßt habe, als er bereits ein Greis war1.
Aus Gründen, die der Beobachtung von Sprache und Technik des Dramas entnommen sind, sucht Radermacher wahrscheinlich zu machen, daß der »Ödipus auf Kolonos« vor »Philoktet« 〈409〉 zu setzen sei. Aus denselben Gründen müßte er natürlich auch vor die »Trachinierinnen« gerückt werden, deren Datierung indes unbe-stimmt ist. Aber der »Ödipus auf Kolonos« läßt sich überhaupt nicht in die Reihe der sophokleischen Dramen einfügen. Er ist in dem Mangel an eigentlicher Handlung und in seiner vorwiegend lyrischen Stimmung ein typisches Alterswerk. Das Gefühl von Spät-herbst, Reife und Müdigkeit ist so überwältigend, daß alles, was darin geschieht, nicht geschieht, um die Handlung zu fördern, sondern um ihr von Anbeginn feststehendes Ziel zu hemmen.